Bemerkungen des vlbs zum neuen Hygieneplan (4. Fassung) und zu den Leitlinien für den Unterricht in BBS (02.07.2020)

(Harry Wunschel) Obwohl die allgemeine Abstandsverpflichtung fällt: Wo es möglich ist, soll der Mindestabstand von 1,50 m weiter eingehalten werden, sowohl im Unterricht als auch bei Besprechungen und Konferenzen. Das bedeutet beispielsweise, dass die Schulen versuchen sollten, die größten Klassen in den größten Unterrichtssälen unterrichten zu lassen.

Auch im Winter sollen die Aerosole durch Stoßlüftung über mehrere Minuten aus den Sälen befördert werden. Aussage dazu: „Thermische Unbehaglichkeiten müssen Sie in Kauf nehmen!“

Der vlbs befürchtet, dass dadurch vielleicht das Corona-Virus in Schach gehalten wird, jedoch sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte reihenweise den sonstigen Erkältungsviren erliegen. Ist das eine intelligente Lösung?

Der vlbs kritisiert, dass Lehrkräfte mit attestierten besonderen Risikofaktoren (und Schwangere) bei den heutigen Infektionszahlen ohne Einschränkung für den Präsenzunterricht eingesetzt werden müssen. Es werden im Hygieneplan nicht einmal Hinweise gegeben, dass für diese Lehrkräfte besondere Absicherungen wie beispielsweise ein Spuckschutz (Plexiglasscheibe) oder das Tragen von Masken oder Sicherheitsvisiere im Unterricht ermöglicht werden.

Genauso sollten gerade diese Lehrkräfte, wenn möglich, nur in Unterrichtsräumen eingesetzt werden, wo der Abstand von 1,5 m eingehalten werden kann. Freiwillige Testungen sind ebenfalls nicht möglich. Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz sieht anders aus.

Die Lehrkräfte mit attestierten Risikofaktoren sollen sich in Einzelfällen bei Bedarf in der Sprechstunde des Institutes für Lehrkräftegesundheit melden und mit den dortigen Ärzten notwendige Maßnahmen zum Gesundheitsschutz besprechen.

Wir hoffen, dass diese Lehrkräfte sich jetzt nicht stattdessen vermehrt krankmelden (müssen), da dies den geregelten Unterrichtsbetrieb empfindlich stören würde. Es ist ebenso nicht zu verstehen, dass in anderen Bundesländern, wie z. B. in Brandenburg, trotz besonders niedriger Infektionszahlen diese Lehrkräfte im nächsten Schuljahr vom Präsenzunterricht befreit werden können, in Rheinland-Pfalz jedoch nicht. Im Downloadbereich ist der aktuelle Hygieneplan unter „4. Hygieneplan Corona Schulen“ zu finden.

In den „Leitlinien für den Unterricht an den öffentlichen und privaten berufsbildenden Schulen im Schuljahr 2020/2021“ (im Downloadbereich unter „Leitlinien BBS“ nachzulesen) gibt es sicherlich viele sinnvolle Hinweise. Dennoch muss der vlbs einige kritische Punkte angemerken, die über die totale Verspätung dieses Briefes hinausgehen:

Der Absatz über den rollierenden Unterricht im Szenario 2 (mit Infektions(verdachts)fällen) beginnt sehr vielversprechend (S. 5): „Um die Belastung des Kollegiums durch Präsenzunterricht bei gleichzeitigem Fernunterricht ... zu vermeiden“. Leider werden in den folgenden Aufzählungen wie der Entwicklung von notwendigen Übungs-, Wiederholungsoder Vertiefungsaufgaben sowie Lernaufgaben für das selbstgesteuerte Lernen nur zusätzliche Belastung für alle Lehrkräfte aufgeführt. Echte Entlastungsmöglichkeiten fehlen leider völlig.

Selbst in Szenario 3 (nur Fernunterricht, S. 6) wird zwar die Notwendigkeit der kurzfristig zu erstellenden digitalen Medien gesehen, doch in keinster Weise eine Entlastung für diese Zusatzaufgaben gegeben. Fairerweise sollte jedoch erwähnt werden, dass unter dem Punkt 7 „Unterstützungsangebote für Schulen“ (S. 14 f) zumindest Hilfen angeboten werden.

Berufsschule (S. 7 f): Es wäre wichtig gewesen die Schulen darauf hinzuweisen, dass coronabedingt kleine Berufsschulklassen möglich sind und nicht von der ADD eingeschränkt werden. Leider ist diese wichtige Aussage der Maßgabe der Einheitlichkeit aller schulspezifischen Schreiben, hier wohl zum Thema „keine kleinen Klassen“, zum Opfer gefallen ist.

Berufsvorbereitungsjahr und Berufsfachschule I (S. 8 f): Wir können nur hoffen, dass bei höherem Infektionsrisiko nicht sowohl die Praktikumsplätze für die Schülerinnen und Schüler verloren gehen als auch die Lehrkräfte für den dann notwendigen fachpraktischen Unterricht, da diese aufgrund der Zuordnung zu einer Risikogruppe auf den Online-Unterricht beschränkt sein könnten.

Höhere Berufsfachschule (S. 9): Falls das Praktikum der Schülerinnen und Schüler nicht im erforderlichen Umfang abgeleistet werden kann, sollen Lehrkräfte für berufsbezogene Aufgaben über das Deputat hinaus zur Verfügung stehen. Wir hoffen, dass die ausfallenden Betreuungsstunden für das Praktikum den Lehrkräften dafür zur Verfügung stehen. Ein entsprechender Hinweis fehlt leider in dem Brief zu den Leitlinien des BBS-Unterrichts.

In dem Brief findet sich weder eine Aussage zu den voll auszuschüttenden PauSEPoolstunden für coronabedingte Ausfälle noch zur dringenden Aufstockung der Anrechnungsstunden für die Schulleitung bzw. Funktionsträger. Zur Stärkung der digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte ist dringend die Möglichkeit eines zweiten Studientages einzuräumen. Auch wenn der Brief dazu keine Stellung nimmt, besteht zumindest die Möglichkeit in der Einführungsphase entsprechendes zu organisieren (S. 3, zweiter Spiegelstrich). Wichtig wäre ein Hinweis gewesen, dass auch in Szenario 2 die Schulsozialarbeit und Berufsberatung vor Ort stattfindet.

 

 

 

 

 

 

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