Plan A ist „normaler“ Unterricht im nächsten Schuljahr (26.06.2020)

(Harry Wunschel) Obwohl die Zeit für die Planungen in den Schulen drängt, ist das schulartspezifische konkretisierende Schreiben für das nächste Schuljahr immer noch nicht versendet worden. Deshalb müssen sich die BBS immer mehr auf die mündlichen Informationen aus dem Bildungsministerium und der ADD verlassen, wohl wissend, dass die Halbwertszeit mancher Informationen nur wenige Tage beträgt.

Der vlbs kritisiert, dass eine vernünftige Planung für die Schulen unter diesen Bedingungen nicht möglich ist.

Jede Schule muss einen Plan B (rollierender Unterricht) bei Verschärfung des Infektionsgeschehens und Plan C (reiner Online-Unterricht) bei Schließung der Schulen im Hinterkopf haben. Dennoch ist für nächstes Schuljahr die Planung auf einen „normalen“ Unterricht ausgerichtet.

Damit fällt das Abstandsgebot, was auch für den fachpraktischen Unterricht gilt. Nur die Maskenpflicht bei Bewegungen innerhalb des Schulgebäudes, aber außerhalb der Unterrichtsräume, soll bestehen bleiben. Das Abstandhalten soll ohne feste Abstandsregeln erfolgen. Die Notwendigkeit des stetigen Händewaschens vor und nach dem Unterricht wird zugunsten des Stoßlüften als wichtigster Hygieneschutz zurückgefahren („Lüften ist das neue Händewaschen“). Wobei es noch keine schlüssigen Konzepte für das stetige Stoßlüften in den kalten Jahreszeiten gibt.

Eine Ausweitung der freiwilligen Testung ist unter den derzeitigen Infektionsbedingungen nicht vorgesehen. Derzeit werden wenige Lehrkräfte neben Schülerinnen und Schülern an 35 Schulen in Rheinland-Pfalz getestet, um einen kleinen Einblick in das derzeitige Infektionsgeschehen zu erhalten. Unter diesen Schulen sind die BBS Gerolstein, Technik Kaiserslautern, Prüm und Westerburg.

Es kann wieder mit großen Klassen bis 30 oder 32 Schülerinnen und Schüler geplant werden, feste Lerngruppen werden nicht (mehr) verlangt. Auch die methodische Einschränkung auf den Frontalunterricht entfällt, normale Gruppenarbeitsphasen sind wieder möglich. Sportunterricht ist wieder durchführbar, es werden jedoch die möglichen Sportarten auf solche begrenzt, die keinen stetigen Körperkontakt erfordern („Tennis ja, Tanzen nein“).

Auch Unterrichtsbesuche und praktische Prüfungen können wieder unter „normalen“ Unterrichtsbedingungen durchgeführt werden. Für die Online-Unterrichtung sollen auch zusätzliche Informationen zur Leistungsbewertung in einem separaten Schreiben gegeben werden.

Es ist weder offiziell vorgesehen, PauSE für das nächste Schuljahr auszusetzen noch irgendwelche andere Regelungen bzgl. PauSE zu verschriftlichen. Wenn coronabedingt dennoch Probleme mit PauSE auftreten, sollen die zusätzlich notwendigen Stunden über PauSE-Poolstunden (ca. 1.500 Stunden) abgedeckt werden, die im nächsten Schuljahr vollständig ausgeschöpft werden können.

So können diese Stunden auch für die Einzelfälle der attestierten Lehrkräften in Risikogruppen genutzt werden, die im Distanzunterricht nicht „normal“ eingesetzt werden können, beispielsweise für deren verstärkten Einsatz im Förderunterricht. Nach Absprache mit der ADD soll es auch keine Probleme bei der Übermittlung der Daten des Gliederungsplanes an das StaLa geben.

Zentraler Punkt der Änderungen im neuen Schulgesetz ist die Stärkung der Rechte der Schülerinnen und Schüler. Diejenigen schulischen Maßnahmen, für welche die Elternvertreter anzuhören, das Benehmen herzustellen und Zustimmungen notwendig sind, gelten nun auch für die Schüler(innen)vertretungen. So müssen im Vorfeld der Maßnahme die Schüler(innen)vertretungen zustimmen beispielsweise bei den Grundsätzen zu Umfang und Gestaltung der Hausaufgaben oder bei Abweichungen von der Stundentafel aus fachlicher oder pädagogischer Schwerpunktsetzung der Schule.

Der vlbs hat dazu schon einige kritische Anmerkung in seiner Stellungnahme im Herbst 2019 gemacht.

Die Zustimmung zu den festgesetzten Maßnahmen soll in den Vertretungen der Klassensprecher(innen) erfolgen. Zumindest ist gegenüber dem Entwurf des Schulgesetzes im letzten Herbst folgender Satz eingeführt worden, der den KlassensprecherTeilversammlungen in BBS Rechnung trägt (§ 33 Abs. 1 Satz 2): „Die Beteiligung der Versammlung der Klassensprecherinnen und Klassensprecher kann in berufsbildenden Schulen durch die Beteiligung der Vorsitzenden der Versammlung der Klassensprecherinnen und Klassensprecher der Schulformen ersetzt werden.“

Neu gegenüber dem Entwurf ist jetzt aufgenommen werden, dass wenn die Schüler(innen)rechte auf den Schulausschuss übertragen werden, die Zahl der Mitglieder des Schulausschusses sich verdoppelt (§ 48a).

Die Möglichkeit der Einladung von sachkundigen Personen zur Gesamtkonferenz wird nicht von der Schulleitung entschieden, sondern regelt das Bildungsministerium (§ 28).

Neu gegenüber dem Entwurf ist ebenso, dass nicht nur die Zielvereinbarung zu pädagogischen Zielen und Qualität schulischer Arbeit von der Schulbehörde eigenständig geprüft wird, sondern auch die von den Schulen selbst gesetzten Qualitätssicherungsmaßnahmen. (§ 23 Abs. 2).

Durch die Verpflichtung zur Nutzung digitaler Lehr- und Lernsysteme sowie Netzwerken wird die Forderung nach schulischen Laptops/Tablets für Lehrkräfte, sofern diese dies möchten, zusätzlich gestärkt. Der vlbs bleibt am Ball (§ 1 Abs. 6).

Der Begriff „Rasse“ (§ 1 Abs. 1) wurde aus dem Schulgesetz entfernt. Neben dem Ziel „Umwelt“ sind auch „globale Nachhaltigkeitsziele“ verankert worden (§ 1 Abs. 2). Neu ist auch die Ergänzung zu § 3 Abs. 3: „Die Schülerinnen und Schüler dürfen durch ihr Verhalten oder ihre Kleidung die Kommunikation mit den Beteiligten des Schullebens nicht in besonderer Weise erschweren; dies gilt nicht, wenn einzelne Tätigkeiten oder besondere gesundheitliche Gründe eine Ausnahme erfordern.“

Insgesamt 500 Mio. € stellt der Bund für die Sicherung der Ausbildungsplätze zur Verfügung. Damit soll die Zahl der Lehrverträge, die von Januar bis Mai um ca. 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist, wieder auf den „normalen Stand“ angehoben werden. Diese Ausbildungsprämie könnte so die Schülerzahlen in den Berufsschulklassen stabilisieren.

Betriebe mit unter 250 Beschäftigten, die ihre Zahl der Azubis gegenüber den letzten drei Jahren nicht verringern, sollen für jeden Ausbildungsvertrag einmalig 2.000 € bekommen. Wird die Zahl der Azubis gar aufgestockt, sollen einmalig 3.000 € für jeden zusätzlichen Ausbildungsvertrag fließen. Voraussetzung für die Betriebe ist, dass im ersten Halbjahr 2020 zumindest für ein Monat die Beschäftigten in Kurzarbeit waren oder die Umsätze in April/Mai maximal 40 Prozent der Umsätze in diesen Monaten des Vorjahres betragen.

Zudem übernimmt der Staat 75 Prozent der Ausbildungsvergütung, wenn Firmen ihre Auszubildenden trotz Arbeitsausfalls nicht in Kurzarbeit schicken. Hilfen soll es auch geben, wenn Azubis aus einem insolventen Betrieb übernommen werden.

Dieses Programm ist nicht für den Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe angedacht.

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