Der Start ins Jahr 2021 (07.01.2021)

(Harry Wunschel) Auch wenn der persönliche Start vielleicht gut gelang, der Schulstart im Fernunterricht war für viele Kolleginnen und Kollegen eine reine Katastrophe. Während sich die Lehrkräfte gut auf den Fernunterricht vorbereitet hatten, wurden die technischen Probleme trotz Warnungen und Vorbereitungsmöglichkeiten zur Falle. Am Montagvormittag war weder der PL-Landesserver für Moodle noch die schulische Plattform für BBB erreichbar, und selbst Sdui wurde in die Knie gezwungen. MS Teams scheint dagegen reibungslos funktioniert zu haben. Bis heute blieb das Schneckentempo für die Arbeit mit Moodle. Frau Dr. Hubig sprach in der Pressekonferenz vom 06.01.2021 zwar davon, dass Moodle aufgrund von äußeren Attacken „die Grätsche gemacht hat“, ansonsten hätte es aber nur ein „ruckeln“ gegeben. Es kann auch nicht alles auf einen „Hackerangriff“ geschoben werden, gerade der Landesserver des PL hätte besser vorbereitet sein müssen.

Wie geht es nach dem 15. Januar weiter?
Nach den Aussagen aus dem Kanzleramt vom 05.01.2021 und aus der Pressekonferenz am 06.01.2021 von Bildungsministerin Dr. Hubig soll auch über den 15. Januar bis zum Ende des Monats der Distanzunterricht aufrechterhalten werden, in Rheinland-Pfalz ist die schulische Präsenzpflicht weiterhin aufgehoben. Abschlussklassen sollen in den letzten beiden Januarwochen in geteilten Gruppen (wenn ein Abstand von 1,5 m möglich) wieder in Präsenz unterrichtet werden dürfen. Die (wenigen) Klassen, die im Februar Prüfungen machen, können dabei häufiger in die Schule kommen (bis zur vollständigen Präsenz) als Abschlussklassen, die später ihre Prüfungen (oder Zwischenprüfungen als Teil der Abschlussprüfung) machen. Nach Konkretisierungen aus der BBS-Abteilung im Bildungsministerium wird es für die letztgenannten Abschlussklassen die Option geben, geteilte Gruppen einmal oder zweimal in den letzten beiden Januarwochen in die Schule zu holen. Aufgrund der Aufhebung der Präsenzpflicht ist ebenso zu bedenken, dass einige Schülerinnen und Schüler einem Präsenzunterricht nicht nachkommen müssen und dann mit Aufgaben versorgt werden müssen. Notwendige Regelungen zur Zeugnisausgabe werden noch nachgereicht. Die Beschlüsse aus den Konferenzen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin und der Pressekonferenz der Bildungsministerin Dr. Hubig ist im Downloadbereich unter „Schulschreiben 06.01.2021“ nachzulesen.

Bei sinkenden Infektionszahlen sollen ab 01.02.2021 entsprechend dem Stufenplan der KMK die Abschlussklassen wieder in Präsenz und die weiteren Klassen im Wechselunterricht beschult werden. Ein voller Präsenzunterricht kann voraussichtlich erst später ermöglicht werden. Die Vorschläge für die Zeit ab Februar stehen aber immer unter dem Vorbehalt der Entwicklung des Infektionsgeschehens. Bisher wurde noch nicht diskutiert, wie die mögliche Änderung von persönlichen Stundenplänen für das Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht minimiert werden kann. Das Schreiben der KMK ist im Downloadbereich unter „Corona Beschluss KMK 04.01.2021“ nachzulesen.

Für Eltern, die ihre Kinder in Zeiten des Fernunterrichtes wegen fehlenden Kinderbetreuungsangeboten pandemiebedingt zuhause betreuen müssen, kann Kinderkrankengeld im Jahr 2021 für 10 zusätzliche Tage pro Elternteil oder 20 zusätzliche Tage für Alleinerziehende gewährt werden. Auch dieses Schreiben ist im Downloadbereich unter „MPK 05.01.2021“ nachzulesen.

Was sagt das Bildungsministerium zu BBB, Moodle, ...?

a) Big Blue Button (BBB):
Laut Aussagen der Leiterin des PL, Frau Dr. Pikowsky, aus der Pressekonferenz vom 06.01.2021, habe man sich vor den Weihnachtsferien um eine Verstärkung der Anbindung für das Videokonferenzsystem BBB bemüht, damit dieses einem Ansturm der derzeit ca. 30.000 registrierten Lehrkräfte gewachsen sei. Es wurde ein zweiter Servercluster in der Mainzer Universität aufgesetzt und mit den Providern Vodafone und Telekom eine Verstärkung der Internetverbindung vereinbart, wobei zusätzliche Kosten von ca. 500.000 EUR übernommen wurden. Vodafone hat nach eigenen Angaben eine unbegrenzte Skalierbarkeit der Bandbreite bestätigt (Monatsvertrag), bei der Telekom wurde die Bandbreite von 3 auf 100 Gbit/s erhöht (2-Jahres-Vertrag). Zur zusätzlichen Absicherung wurde ein Vertrag bei einem zusätzlichen Anbieter für das Hosting von BBB unterschrieben.

Da man sich nicht sicher war, ob dies alles funktionieren würde, wurden in den „Hinweisen für den Fernunterricht“ vom 22.12.2020 Sicherheitsnetze eingebaut, beispielsweise zeitliche Begrenzungen und Verteilungen der Videoschaltungen, Minimierung der Videoübertragungen und Einschränkung der Sicht der Webcams auf die Moderatoren. Außerdem sei es für die Schülerinnen und Schüler nicht sinnvoll, täglich 8 Stunden durchgehend synchronen Unterricht über BBB zu erhalten. BBB hatte am Montagmorgen aufgrund von äußeren Angriffen Schwierigkeiten, läuft aber seit dieser Zeit stabil. Solchen Angriffen waren auch schon die Videokonferenzsysteme in Bayern und Saarland im letzten Jahr ausgesetzt. Am Dienstag gab es ca. 28.000 Videokonferenzen mit ca. 170.000 Teilnehmern, was die Durchführbarkeit von Videokonferenzen bestätige. Die Kapazitätsgrenze habe man mit 8 Gbit (von 100 Gbit) bei weitem noch nicht erreicht.

b) Moodle:
Derzeit wird Moodle von über 600 Schulen (von über 1.600 Schulen) genutzt. Am 05.01.2021 wurden trotz der Zugangs-Schwierigkeiten über 270.000 Logins gezählt, über 3 Mio. Dokumente sind von den Schülerinnen und Schülern hochgeladen worden. Laut Ministerin Dr. Hubig (Aussage von Montag 04.01.2021) waren vor und in den Weihnachtsferien die Zugriffszahlen ca. 200.000, in Spitzen bis 600.000 Zugriffe auf die Seite des Landesmedienservers bei der Uni Mainz. Sonntags vor dem Schulbeginn nach den Weihnachtsferien waren die Zugriffszahlen unerklärbar bereits auf etwa 1.500.000 hochgeschnellt. Frau Dr. Pikowsky erläuterte am 06.01.2021 in der Pressekonferenz, dass es am 04.01.2021 zu einem DDOS-Angriff auf den Landesserver kam, wobei das System mit etwa 10.000 unsinnigen Anfragen pro Sekunde bombardiert wurde. Es war kein Hackerangriff im engeren Sinne, da niemand in das System eingedrungen sei und keine Daten entwendet wurden, sondern ein Angriff auf die Lernplattform von außen. Leider habe das System noch mit den Folgen des Angriffs zu kämpfen. IT-Experten hätten dies mit der Störung einer glatten Wasseroberfläche verglichen. Selbst wenn die Störung ende, wirken die ausbreitenden Wellen noch einige Zeit nach. Moodle weise kein Totalversagen mehr auf, habe in Spitzenzeiten aber immer noch Aussetzer. Experten des PL, der Uni Mainz und aus der Wirtschaft arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer Lösung. Während des Hochskalierens des Systems wird die Lernplattform noch langsam bleiben, soll dann aber gut laufen.

c) Datenschutz bei Videokonferenzsystemen:
Die Nutzungsmöglichkeit von MS Teams läuft am Ende dieses Schuljahres aus!!!

Eine Fortsetzung der Nutzung von MS Teams ist nur möglich, wenn Microsoft bis Ende des Schuljahres bestätigt, dass von den USA aus nicht auf die europäischen Server für MS Teams zugegriffen wird. Nur dann könnte der Datenschutzbeauftragte dieses Videosystem für die schulische Nutzung freigeben. Frau Dr. Pikowsky hat in der Pressekonferenz vom 06.01.2021 betont, dass auch MS Teams bei einem solchen „Hackerangriff“ in die Knie gehen würde. Für die Videokonferenzsysteme von Sdui und Alphaview möchte Frau Dr. Hubig die datenschutzrechtlichen Fragen noch klären lassen.

Da Sdui in Deutschland gehostet wird, ist nach Auffassung des vlbs die Chance für eine datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit relativ hoch. Laut Aussage der Bildungsministerin aus dem Bildungsausschuss vom 21.12.2020 (https://dokumente.landtag.rlp.de/landtag/opalvideos/bildungsa-v-45-17.mp4) sind für das bisherige (datenschutzkonforme) Videokonferenzsystem (Webex) eine halbe Million Euro vom Land ausgegeben worden.

Hinweis: Wenn bei den Schülerinnen und Schüler zuhause aufgrund eines fehlenden Breitbandempfangs oder fehlendem Datenvolumens der Fernunterricht nicht sichergestellt werden kann, sollen sie in die Schule kommen und dort mit einem entsprechenden Gerät in der Schule am Fernunterricht teilnehmen.

3. Zusätzliche Testungen möglich

Bei Coronainfektionen in den Schulen werden nach der derzeitigen Impfstrategie des Landes nur Kontaktpersonen der Kategorie 1 und damit nur die Personen aus der unmittelbaren Umgebung getestet. Jetzt dürfen sich auch Lehrkräfte, die nach Infektionsvorfällen in der Schule in die Verdachtskategorie 2 eingestuft werden, in einem regionalen Testzentrum oder bei anderen Anbietern durch einen PCR-Test (kein Schnelltest!) testen lassen. Dies soll vorerst bis 31.03.2021 möglich sein. Damit wird eine Forderung umgesetzt, die ich noch kurz vor Weihnachten in eine Telefonschalte der HPR-Vorsitzenden mit der Ministerin eingebracht habe. Weiterhin möchte sich Rheinland-Pfalz mit 5 Standorten an der bundesweiten B-FAST-Studie (Bundesweites Forschungsnetzwerk Angewandte Surveillance und Testung) beteiligen. Diese Pooltestungen sollen helfen, die Dunkelziffer asymptomatischer Fälle zu vermeiden. Bisher habe man damit gute Erfolge erzielt. Eine Fortführung der Querschnittsstudie, in der stichprobenartig in Schulen getestet wird, soll bei Präsenzunterricht und genügend Testmöglichkeiten erneut wie vor den Sommerferien durchgeführt werden.

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