Informationen aus dem Gespräch am 12.11.2020 der Hauptpersonalräte und Verbände mit den Gesundheitsexperten der Unimedizin Mainz (13.11.2020)

Gesundheitsexperten: Dr. Wolfang Kohnen (Hygieniker), Prof. Dr. Stephan Letzel (Arbeitsmediziner), Prof. Dr. Bodo Plachter (Virologe), Prof. Dr. Fred Zepp (Kinderarzt) Bildungsministerium: Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, Staatssekretär Hans Beckmann, verschiedene Abteilungen

(Harry Wunschel) Von Ministerin Dr. Hubig und den Gesundheitsexperten wird die gesundheitliche Sicherheit im Präsenzunterricht mit der zusätzlichen Schutzmaßnahme „Maske im Unterricht“ als noch ausreichend bewertet, da die weiteren Sicherungsmaßnahmen wie Abstand, Händewaschen, Alltagsmasken und Lüften bereits ergriffen wurden.

Der Hygieniker Dr. Kohnen betont den derzeit hohen hygienischen Standard in Schulen aufgrund der vielen Sicherungsmaßnahmen. Da derzeit die Gesundheitsämter nicht mehr hundertprozentig die Infektionen nachverfolgen können, ist die Maske im Unterricht als zusätzliche Sicherungsmaßnahme notwendig. Obwohl sich diese Maßnahmen in der Umsetzung auf den normalen Unterricht belastend auswirken, wird damit noch der höchstmögliche Teil eines „Normalbetriebes“ aufrechterhalten.

Da sich die Infektionslage sehr schnell ändern kann, ist das Bildungsministerium mit den Gesundheitsexperten übereingekommen, einmal pro Woche die Situation für die Schulen zu besprechen und ggf. nachzusteuern. Ein möglicher Übergang in den rollierenden Unterricht wird in einem ersten Schritt nur als Möglichkeit für die Oberstufe gesehen, mit Ausnahme der Klassen, die im Januar Abitur machen (wieder ohne Erwähnung der BBS).

Das Ziel bleibt aber, so lange wie möglich im Präsenzunterricht zu bleiben, da man befürchtet, bei einem frühzeitigen Übergang in den rollierenden Unterricht dies nicht nur für wenige Wochen, sondern dann für einige Monate aufrechterhalten zu müssen. Die Ministerin betont, dass sie sich die Entscheidungen nicht einfach mache und sich immer wieder kritisch mit den Erfahrungen vor Ort auseinandersetze. Die Entscheidungen werden gut begründet getroffen uns sind für alle tragbar.

Derzeit sind Ergänzungen zum gültigen Hygieneplan in Vorbereitung. Es sollen zusätzliche hygienische Schutzsysteme aufgenommen werden, die bei weiter steigenden Infektionszahlen greifen sollen. Dazu gehört der rollierende Unterricht, aber auch weitere von der Ministerin nicht näher genannte Maßnahmen. Die Ministerin stimmt mit den Gesundheitsexperten der Unimedizin in Mainz überein, dass erhöhte Infektionszahlen uns durchaus noch bis in den März begleiten können.

Herr Prof. Dr. Zepp hält es als Kinderarzt für wichtig, den Präsenzunterricht für Kinder aufrechtzuerhalten, da dies für die psychosoziale Entwicklung in Gruppen wichtig ist und einer Vereinsamung entgegenwirkt. Untersuchungen weltweit zeigen, dass das Infektionsgeschehen in Schulen in über 90 Prozent der Fälle eher Einzelfälle betreffen. Die Infektion wurde in die Schule hineingetragen, haben aber von dort nicht zur Ausbreitung geführt. Natürlich kann sich dies bei einer zunehmend dynamischen Infektionsentwicklung ggf. auch ändern. Durch gezielte Quarantäne habe man aber bisher eine Infektionsdynamikverhindert.

Auf Nachfrage der der Hauptvertrauensperson für BBS, Sebahat Granow, zu einem Umgang mit Verunsicherung und Ängsten in Schulen, betont Prof. Zepp, dass er sich zukünftig mehr mit diesem Thema aus medizinischer Sicht beschäftigen möchte, um einen sinnvollen Umgang damit zu finden und Handlungsempfehlungen geben zu können.

Prof. Dr. Stephan Letzel als Chef des Institutes für Lehrkräftegesundheit meldet einen zunehmenden Beratungsbedarf bei Lehrkräften und Schulleitungen. Es zeigt sich eine gewisse Frustration und Resignation, da Gesundheitsämter schlecht zu erreichen sind oder unterschiedliche Entscheidungen treffen. Er betont aber, dass die Situation des Gesundheitsschutzes in den Schulen deutlich besser ist als außerhalb. Die Risiken werden eher von außen in die Schulen getragen.

Zur Maskenpflicht: Es sprechen sehr wenig arbeitsmedizinische Gründe gegen das Tragen von Alltagsmasken, außer bei schweren Phobien oder Allergien. Z. T. erlebt er heftiges Unverständnis, teilweise sogar Drohungen, wenn er keine Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellt.

Der Hygieniker Dr. Kohnen von der Unimedizin Mainz sieht die Nutzung von FFP2-Masken durch Lehrkräfte kritisch, da sie eigentlich nur notwendig sind, wo man ganz nahe an Infizierte oder Hustende kommt. Aufgrund des hohen Atemwiderstandes bei korrektem Tragen muss im klinischen Bereich die Maske häufiger abgesetzt werden. Zur Verringerung des Atemwiderstandes würden Laien diese Maske nicht vollkommen dicht tragen, was jedoch die Wirksamkeit der FFP2-Maske deutlich reduziert. Er habe die Angst, dass nicht mehr ausreichend FFP2-Masken für den gesundheitlichen Bereich zur Verfügung stehen, wenn diese jetzt vermehrt außerhalb des gesundheitlichen Bereiches genutzt werden.

In dem Gespräch, das der vlbs mit Bildungsministerin Dr. Hubig und Staatssekretär Beckmann am 06.11.2020 geführt hat, ergab, dass zwar derzeit der Präsenzunterricht weiterhin Vorrang hat, aber ein Wechselunterricht im Einzelfall nicht immer abgewiesen wird. So gibt es jetzt schon einige Beispiele in berufsbildenden Schulen im Land, die ohne einen direkten Zusammenhang mit Infektionsfällen in einzelnen Klassen in Szenario 2 (temporär) übergegangen sind, z. B. um den Online-Unterricht nach einem Konzept zu üben. Deshalb etwas Mut zum Wohle der Schulgemeinschaft, die Entscheidung über einen solchenbegründeten Einzelfall-Antrag an die ADD hat natürlich die Schulleitung. Einen ausführlichen Bericht zu diesem Gespräch kann demnächst in vlbs-aktuell nachgelesen werden.

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