Informationen zu einem Gespräch mit Gesundheitsexperten (24.09.2020)

(Harry Wunschel) Der vlbs hat sein Coporate Identity durch eine Kollegin aus Mainz überarbeiten lassen und fortan ein neues Logo im Einsatz. Die verschiedenen Teile des Ringes sollen die sieben Schulformen der BBS in Rheinland-Pfalz repräsentieren, der orangefarbene Punkt soll der Anknüpfungspunkt an das alte Logo sein. Da sich der vlbs das Motto „Mehr Vernetzung in der beruflichen Bildung“ als Schwerpunkt seiner Arbeit gesetzt hat, wurden verschiedene Kreise gewählt.

Lüften in kalten Jahreszeiten: Ein Stoßlüften alle 20 Minuten für etwa 5 Minuten wird auch in der kalten Jahreszeit von den Gesundheitsexperten für ausreichend erachtet, was der Empfehlung eines vollständigen Luftaustausches von 2- bis 3-mal pro Zeitstunde entspricht. Die Experten betonen, dass ein häufigeres Lüften im Normalfall nicht notwendig sei. Höhere Frequenzen für den Luftaustausch, wie sie teilweise in den Medien diskutiert werden, seien nicht notwendig, da die Viruslast im Durchschnitt erst nach ca. 20 Minuten einen kritischen Wert erreicht. Das Stoßlüften kann beispielsweise durch Öffnen der Fenster und der Tür(en) ermöglicht werden, nicht jedoch durch das alleinige Öffnen der Türen. In dieser Zeit sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Jacken anziehen. Es wird gesagt, dass nach dieser Art des Lüften die Temperatur in den Klassenräumen lediglich um 3 Grad abnehme, was unbedenklich sei. Ein Dauerlüften durch gekippte Fenster wird verworfen, da damit ein dreimaliger Luftaustausch in einer Zeitstunde nicht annähernd erreicht werden kann. Der Virologe betont, dass durch Kälte zwar die Empfindlichkeit der Schleimhäute gegenüber Viren zunimmt, dass letztendlich aber die Kälte nicht die Ursache für eine erhöhte Infektionsrate darstellt. Bildungsministerin Hubig sichert zu, dass ein bundesweit einheitliches Merkblatt zum Lüften erstellt werden soll.

Masken tragen im Unterricht: Der Hygieniker betont, dass das Tragen von Masken sich zwar bewährt hat, aber Schülerinnen und Schüler nicht gezwungen werden sollten, durchgängig Masken zu tragen. Eine Maske ist dann besonders sinnvoll, wenn sich Personen gegenüberstehen und ansprechen, nicht jedoch unbedingt im Unterricht. Insgesamt ersetzt die Maske kein Lüften, da nur so die mögliche Virenbelastung durch Aerosole aus den Räumen entfernt werden kann.

CO2-Ampel: CO2-Ampeln geben nur einen indirekten Hinweis auf die mögliche Virenbelastung durch Aerosole in den Räumen. Es zeigt sich aber, dass der schon seit vielen Jahren anerkannte Grenzwert von maximal 1.000 ppm CO2 als Qualitätsindikator für „gute Luft“ in Räumen ebenso herangezogen werden kann, um festzustellen, wann aufgrund der Aerosolbelastung gelüftet werden muss. Ein direkte Wirkung auf eine Senkung der Aerosolbelastung haben CO2-Ampeln jedoch nicht, vielmehr stellen Sie eine Maßnahme zur Hygieneerziehung dar. Die marktgängigen Messgeräte sind technisch simpel und liefern zuverlässige Werte. Sie sollen jedoch nicht an Fenstern oder direkt vor der Mundöffnung platziert werden, da dies deutlich verfälschte Ergebnisse liefert. Ideal ist eine Installation in der Mitte des Raumes auf Atemhöhe, jedoch kann das Gerät ebenso am Lehrkräftepult aufgestellt werden. Es wird jedoch nicht empfohlen, für jeden Klassenraum eine CO2-Ampel anzuschaffen, sondern etwa für 10 Klassenräume ein Gerät, welches dann an unterschiedlichen Tagen in unterschiedlichen Räumen eingesetzt werden kann. Die massenhafte Anschaffung der Geräte könnte Lieferengpässe erzeugen.

Mobile Lüftungsanlagen: Die Gesundheitsexperten betonen, dass von vielen Herstellern bei mobilen Lüftungsanlagen mit Hepafiltern zwar ein (Aerosol-)Abscheidegrad von 99,9 % angegeben wird, dies jedoch nichts über die tatsächliche Virenabscheidung aussagt, da dies bisher nicht untersucht wurde. Für mobile Lüftungsanlagen ist der Standort im Raum wichtig, um eine vollständigen Luftfilterung zu ermöglichen. Von einer Luftreinigung mit UV-CStrahlen wird abgeraten, da die Intensität und die Dauer der Bestrahlung für Räume mit vielen Menschen noch nicht ausreichend untersucht ist. In Laboren und Gewerberäumen können solche Anlagen dagegen verwendet werden. Die Filterung der Luft über eine mobile Lüftungsanlage kann ein Stoßlüften mit frischer Luft von außen nicht ersetzen. Wo ein ausreichendes Stoßlüften jedoch nicht möglich ist, kann eine solche Anlage in Ausnahmefällen eingesetzt werden. In Schulen verbaute Lüftungsanlagen haben leider keine Hepafilter und führen deshalb zur Reduzierung einer möglichen Virenbelastung.

Sportunterricht in Turnhallen: Der Sportunterricht in Turnhallen bereitet den Experten noch am meisten „Bauchweh“ („Grauzone“). Beim sportlichen Betätigen werden deutlich mehr Aerosole gebildet, die einen häufigeren vollständigen Luftaustausch als 2 bis 3 Mal pro Stunde notwendig machen. Auch herkömmliche raumlufttechnische Anlagen sind nicht ausreichend. Eine Sicherheit kann erreicht werden, indem Sportarten vermieden werden, bei denen es zu einem engen Kontakt kommt (Ringen, Handball, Hallenfußball, Basketball). Man sollte eher einen Schwerpunkt beispielsweise auf Boden- und Geräteturnen legen. Die Übertragung über die genutzten Geräteflächen ist minimal, eine Desinfektion nicht andauernd erforderlich. Wird jedoch eine Fläche beispielsweise angehustet oder angeniest, muss diese umgehend desinfiziert werden. Bei Umkleiden und Duschen soll auf einen möglichst guten Luftaustausch geachtet werden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte überlegt werden, ob man im Sport tatsächlich die Kleidung vollständig wechselt. Aufgrund der unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Turnhallen werden individuelle situative Konzepte vorgeschlagen. Eine hohe Luftfeuchtigkeit z. B. in Duschen verringert sogar die Ansteckungsgefahr durch das CoronaVirus, da die Wassertröpfchen nicht so lange in der Luft verharren. Jedoch erhöht sich dabei die Gefahr der Schimmelpilzbildung. Die Bildungsministerin plant schriftliche Hinweise mit Anregungen für den Sportunterricht in den kühlen Jahreszeiten.

Die Gesundheitsexperten in der Videokonferenz mit dem Bildungsministerium am 14.09.2020: Prof. Dr. med. Stephan Gehring (Pädiatrische Immunologie und Infektiologie), Dr. Wolfgang Kohnen (Krankenhaushygieniker, Unimedizin Mainz), Prof. Dr.-Ing. H.-J. Moriske (Geschäftsführer der Kommission Innenraumlufthygiene beim Umweltbundesamt), Prof. Dr. med. Bodo Plachter (Virologe, Unimedizin Mainz), Prof. Dr. med. Fred Zepp (Kinder- und Jugendmedizin, Leitung AG Immunologie & Infektiologie)

Zahlen: Am 16.09.020 gab es 61 Infektionsfälle bei Schülerinnen und Schülern und 6 Infektionsfälle bei Lehrkräften an allen Schulen in Rheinland-Pfalz: Der Anteil der BBS liegt bei 31 %, der höchste Anteil nach den Gymnasien (40 %). Dazu kamen 1.875 Verdachtsfälle bei Schülerinnen und Schülern und 189 Verdachtsfälle bei Lehrkräften an allen Schulen in Rheinland-Pfalz. Insgesamt sind 194 Schulen im Land betroffen, es kam zu 23 Teilschließungen von Schulen.

Befreiung von der Maskenpflicht im Schulgebäude/Schulgelände: Ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtes Neustadt vom 10.09.2020 zur Befreiung von der Maskenpflicht aufgrund eines ärztlichen Attest lässt deutlich werden, dass für eine Befreiung zusätzliche Auflagen erfüllt werden müssen. „Aus dem Attest müsste sich nachvollziehbar mindestens ergeben, auf welcher Grundlage der Hausarzt seine Diagnose gestellt hat und wie sich die Krankheit im konkreten Fall darstellt ...“. Außerdem „hätte der Hausarzt darlegen müssen, aus welchen konkreten Gründen des dem Antragsteller unzumutbar sein soll, in diesem relativ kurzen Zeitraum auf dem Schulgelände eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Es fehlen in dem Attest ferner Angaben dazu, seit wann und wie häufig sich der Antragsteller in ärztlicher Behandlung befunden hat, welche Art von Befunderhebung stattgefunden hat und ob die vom Antragsteller geschilderten Beschwerden durch die erhobenen Befunde bestätigt worden sind“ (5 L 757/20.NW, Punkt 23). Anträge zu einer Befreiung von der Maskenpflicht werden nicht durch die Schule, sondern von der ADD entschieden. In einem weiteren Urteil, von dem in der Presse berichtet wurde, ist klargestellt worden, dass ein Spitzenstoff aufgrund seiner Durchlässigkeit nicht als Mund-Nasen-Maske anerkannt werden kann.

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