Neueste Informationen zu Gesundheitsschutz und Verwaltungsvorschrift (07.09.20209)

(Harry Wunschel) In einer Pressemeldung der Mainzer Allgemeinen Zeitung von Samstag zeigt sich der Schulleiter Herr Reuther besorgt über den bereits zweiten Corona-Fall an der BBS 3 in Mainz und spricht von Betroffenheit und Verunsicherung der Betriebe. Manche Betriebe möchten ihre Azubis nicht mehr in die Berufsschule schicken. Herr Reuther verweist auf die besondere Situation der BBS, denn Berufsschüler haben über ihre Betriebe sehr viel Außenkontakte. Er fordert deshalb für große Berufsschulklassen bereits bei derzeitiger Infektionslage den rollierenden Unterricht. Kleinere Klassen könnten im Regelbetrieb bleiben.

Die Reaktion des Pressesprechers im Bildungsministerium, Herr Henn: Er verweist darauf, dass gerade mal 2 Prozent der Klassen im Berufsschulbereich 30 oder mehr Schülerinnen und Schüler hätten. Die Lerngruppen seien eher klein und gleichzeitig habe Bildung auch eine soziale Komponente, weshalb der Präsenzunterricht dem digitalen Lernen vorzuziehen ist. Über diese Aussagen kann gut und gerne diskutiert werden; leider lässt er sich dann zu folgender Aussage hinreißen: „Das Recht auf Bildung darf nicht im Biergarten aufs Spiel gesetzt werden.“

Diese Aussage in Zusammenhang mit dem zweiten Corona-Fall an der BBS 3 ist leider unsachlich, unpassend und verfehlt. Gerade als Vertreter des Bildungsministeriums sollte er sich nicht öffentlich zu solchen Äußerungen hinreißen lassen, wie sie leider von manchen Politikern gerne getätigt werden. Etwas mehr Sensibilität bezüglich der besonderen Sorgen und Nöte einer BBS-Schulgemeinschaft gemeinsam mit den Betrieben sollte man vom Bildungsministerium erwarten können. Der vlbs hofft, dass dies ein Einzelfall bleibt. Den Presseartikel finden Sie im Downloadbereich unter „2020-09-05 AZ Zweiter Corona-Fall an der BBS 3“.

1. Informationen zum Gesundheitsschutz / Hygieneplan

  • Das Bildungsministerium ist derzeit in Gesprächen mit den kommunalen Spitzenverbänden, um Eckpunkte bzw. den Rahmen für die Lüftung in den kälteren Jahreszeiten abzuklären und die technischen und schulorganisatorischen Möglichkeiten von Lüftungsanlagen auszuloten. Da es bei Experten sehr unterschiedliche Auffassungen zu deren Wirksamkeit bei der Bekämpfung von Aerosolen gibt, sollen zusätzlich die Gesundheitsexperten im Land in die Diskussion einbezogen werden. Es werden derzeit Probleme des schulischen Stromnetzes beim Einsatz von mehreren Lüftungsanlagen genauso wie die Lautstärke der Anlagen thematisiert.
    Leider kommt die Diskussion im Bildungsministerium sehr spät, denn es muss geklärt werden, wer die ca. 2.000 € pro Anlage bezahlt und ob diese in einer gewissen Anzahl überhaupt rechtzeitig lieferbar sind. Zumindest für Unterrichträume, die nur schwer gelüftet werden können (beispielsweise Kellerräume), scheinen solche Lüftungsanlagen angedacht. Auch die Sicherstellung eines korrekten Betriebes und Instandsetzung der Anlagen ist noch nicht geklärt. Der vlbs ist enttäuscht, dass, obwohl schon seit Monaten über Lüftungsanlagen mit den Personalräten diskutiert wird, erst jetzt mit den Schulträgern eine einheitliche Linie zur Lüftung in der kälteren Jahreszeit gesucht wird.
  • Ebenso wird über den Einsatz von CO2-Messgeräten (CO2-Ampeln) diskutiert. Mit diesen Geräten lässt sich der Zeitpunkt der notwendigen Stoßlüftung bestimmen. Leider verhindert ein Einsatz dieser Geräte im Herbst/Winter nicht, dass es bei der Stoßlüftung zu einer deutlichen Temperaturabsenkung im Klassenraum und höheren Heizkosten kommen wird. Eine Abschätzung des Zeitpunktes für eine Lüftung kann auch mit einer App des DGUV bei Eingabe der Größe des Klassenraumes und der Schüler(innen)zahl näherungsweise bestimmt werden: https://www.dguv.de/ifa/praxishilfen/innenraumarbeitsplaetze/raumluftqualitaet/co2-app/index.jsp
  • Der Einsatz eines Spuckschutzes für Lehrkräfte am Lehrerpult, insbesondere bei großen Klassen, wird aufgrund der scheinbar fehlenden Wirksamkeit gegen Aerosole nicht empfohlen. Das Bildungsministerium möchte aber nochmals darüber mit den Gesundheitsexperten reden.
  • Die Anerkennung der Vulnerabilität der Lehrkräfte durch das Institut für Lehrkräftegesundheit (IfL) ist doch höher als bisher von den Personalräten angenommen: Bei 289 Empfehlungen des IfL konnten bis Mitte der Woche schulartübergreifend 84 Lehrkräfte (ca. 29 %) auf IfL-Empfehlung vom Präsenzunterricht freigestellt worden. Bei 107 Lehrkräften wird eine Befreiung vom Präsenzunterricht bei weiter steigenden Infektionszahlen erneut geprüft und bei 98 Lehrkräften wurde eine Freistellung vom Präsenzunterricht nicht empfohlen. Im BBS-Bereich sind ca. 0,8 % der Lehrkräfte (ca. 40 Lehrkräfte) als vulnerabel eingestuft und damit nur im Online-Unterricht eingesetzt. Die Gefahr einer zusätzlichen Belastung der Lehrkräfte im Präsenzunterricht ist damit relativ gering.
  • Es gibt leider keine Möglichkeiten als Lehrkraft einzugreifen, wenn direkt vor dem Schulgelände beispielsweise rauchende Schülerinnen und Schüler in großer Anzahl den Mindestabstand ignorieren und keine Maske tragen. Das Ordnungsamt könnte eingeschaltet werden, wenn es zu größeren Verunreinigungen an der Grenze des Schulgeländes kommt.
  • Wenn bei Infektions- oder Verdachtsfällen mehrerer Schüler(innen) aus der gleichen Schule diese aus unterschiedlichen Wohnorten kommen, kann es zu unterschiedlichen Empfehlungen der verschiedenen Gesundheitsämtern kommen. Staatssekretär Beckmann hat zugesichert, dass er dies bei den Besprechungen mit dem Gesundheitsministerium versucht zu klären.
  • Wenn in Vorcorna-Zeiten Schulfahren wie beispielsweise Skikurse für Anfang 2021 gebucht wurden, sollen diese so schnell wie möglich abgesagt werden, um die Stornokosten zu minimieren. Die Stornokosten werden vom Land erstattet. Ein für alle Schularten einheitliches Schreiben der ADD ist in Vorbereitung und soll nächste Woche an die Schulen gehen.
  • Das Bildungsministerium hat rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Videokonferenzen, z. B. zu heimlichen Aufnahme von Bildern oder der plötzlichen Teilnahme von Eltern, geklärt. Diese werden hoffentlich bald veröffentlicht. Die Handreichung für den Fernunterricht soll ebenfalls ergänzt werden. Der vlbs fordert weiterhin eine umfassende Netiquette für den Umgang mit Videokonferenzen, die auch von den Schülern bzw. deren Eltern unterzeichnet wird.

2. Neue Verwaltungsvorschrift zu Fort- und Weiterbildungen seit diesem Schuljahr in Kraft

  • Wesentliche Änderungen ergeben sich bei der Erweiterung der Lehrbefähigung im eigenen Lehramt durch eine Weiterbildung. Die bisherige Unterrichtserlaubnis mit einer 20-minütigen Prüfung wird es so nicht mehr geben. Letztendlich wird aus der bisherigen Unterrichtsbefugnis (Unterrichtserlaubnis + 6 Monate Unterricht im neuen Fach + Unterrichtsbesuch mit Kolloquium) die Unterrichtserlaubnis-Neu. Für diese neue Unterrichtserlaubnis wird 6 Monate eigenverantwortlicher Unterricht im betreffenden Fach verlangt, eine Bewährungsfeststellung im unterrichtlichen Einsatz durch die Schulleitung (und einer weiteren Lehrkraft) sowie eine 30-minüten Prüfung.
  • Werden Lehrkräfte für Fachpraxis für eine Weiterbildung zugelassen, so kann bei erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat ausgestellt werden.
  • Der HPR konnte erreichen, dass die Teilnahme an Messen und Ausstellungen nicht mehr durch die ADD, sondern allein durch die Schulleitung genehmigt werden muss.

 

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